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Jürgen Klopp ist kein Trainer

Posted on | Oktober 11, 2010 | Kommentare deaktiviert

Jürgen Klopp (Quelle: bvb.de)

Jürgen Klopp (Quelle: bvb.de)

Jürgen Klopp ist kein Trainer. Das muss einfach mal gesagt werden. Alle Jubeln über die Erfolge von Borussia Dortmund und vergessen dabei direkt auch, wo der BVB noch vor ein paar Jahren stand. Abstiegsgefahr, Aktie im Keller, sogar Fans ,die dem Verein den Rücken kehren wollten und mehr Trainerwechsel als sich der Verein aus dem Ruhrpott wünschen kann. Steht dem Verein eine bessere Zukunft bevor oder verfällt man wieder in den alten Trott und die alten Fehler? Klopp wird das verhindern, denn er ist kein Trainer.

Nein, Jürgen Norbert Klopp ist wirklich kein Trainer. Er ist viel mehr als das. Der 43 Jährige steht für eine neue Philosphie von Fussball, für eine neue Art von öffentlichem Auftreten, für eine neue Art von Spielerführung. Kurz gesagt für eine andere Definition vom klassischen Fussballlehrer.

Als er Borussia Dortmund vor knapp zwei Jahren von Thomas Doll übernommen hat, lag zwischen den alten Ansprüchen des Vereins und der Realität eine riesige Kluft. Nach dem Gewinn der Champions League 1997 mit Ottmar Hitzfeld und gestandenen Profis wie einem Andreas Möller hatte die Fan-Gemeinde plötzlich eine riesige Erwartungserhaltung für die nächsten Jahre. Man wollte weiterhin eine wichtige Rolle in der Königsklasse spielen und national mehr als nur einmal den großen FC Bayern München von Platz 1 vertreiben. Träumen durfte man, klar das war gestattet.

Auch wenn im Jahr 2002 noch einmal die Meisterschaft mit einem Jan Koller, Amoroso oder Thomas Rosicky gefeiert werden konnte. So frage ich mich wirklich, warum man sich in den nachfolgenden Jahren nicht um eine Verjüngung der Mannschaft gekümmert hat. Das Durchschnittsalter lag beim Gewinn der Meisterschaft bei 26,8 Jahren.  Mit der Verpflichtung von Trainern wie Udo Lattek oder Bert van Marwijk holte man sich die gute alte Fussballschule und hoffte auf die Erlösung. Hoffnungslos und der falsche Weg. (Im Vergleich dazu waren die Dortmunder Spieler dieses Jahr beim Sieg gegen Erzrivalen Schalke 04 im Schnitt 23,5 Jahre jung.)

Glücksgriff für Klopp und Dortmund

Für den Fussballphilosoph Jürgen Klopp hätte der Wechselzeitpunkt zu Borussia Dortmund nicht besser sein können. Die Vereinsführung sehnte sich nicht mehr nach großen Erfolgen, sondern nach einer konstanten Leistung der Mannschaft. Die Fans hatten sich damit abgefunden nicht mehr gegen Real Madrid zu spielen, sondern im Glücksfall noch gegen den FC Kopenhagen. Und die Spieler selbst? Bei denen schien es so, als wenn Sie nicht die Sprache der alten Trainer verstanden. Fang ganz unten an, dann ist es einfacher auch mit kleinen Erfolgen zu überzeugen.

Klopp hat sich allen Baustellen angenommen und sich nicht nur auf seine klassischen Traineraufgaben beschränkt. Der Vereinsführung hat er eine neue Philosophie eingetrichtert, eine neue Art den Fussball zu verstehen und Transfer zu tätigen. Jung, dynamisch, effizient. Merkmale für die Mannschaft und neue Spieler. Mit den Fans hat Klopp gefeiert, getrauert, gelacht und geflucht. Er gibt sich als einer von ihnen, als einer der versteht was die Fans wollen. Das kommt natürlich an. Und nicht zuletzt hat Klopp auch eine Veränderung in die Mannschaft gebracht. Jeder, der Fussball spielen kann, hat eine echte Chance auf die Startelf. Namen bedeuten ihm nur wenig. Kein Wunder also, dass Spieler wie Nuri Sahin oder Kevin Großkreutz unter der Riege von Jürgen Klopp den Sprung in eine Nationalmannschaft geschafft haben.

Mainzer Erfolg ist Klopps Erfolg

Ein Vergleich zu Thomas Tuchel sei hier kurz erlaubt. Irgendwie kommt es einem so vor, als wäre er der Zwillingsbruder von Klopp. Das Auftreten, der Jubel, eine Überraschung mit Mainz geschafft, die Nähe zu der Mannschaft und den Fans. Kein Wunder, dass die Gerüchte, Tuchel würde bald in Leverkusen die Nachfolge von Heynkes antreten, immer wieder aufkommen. Doch Tuchel würde nicht den Erfolg haben, wie Klopp in Dortmund. In Leverkusen sehnt man sich seit Jahren nach einem Erfolg auf nationaler oder internationaler Ebene. Der Erfolgsdruck ist größer als in Dortmund und ein neuer Trainer kann kaum große Veränderungen durchbringen. Zudem wollen wir nicht vergessen, dass Jürgen Klopp den Grundstein in Mainz gelegt hat, der die Basis des derzeitigen Erfolges von Mainz 05 ist. Im Prinzip steht Klopp also derzeit an Position 1 und 2 der Bundesliga!

Der Sympathieträger

Zurück zu Dortmund. Eine Imageveränderung hat der Verein irgendwie auch erlebt. Jürgen Klopp, das wohl beliebteste Gesicht jeder WM und EM Berichterstattung, hat reichlich Sympathiepunkte in Deutschland gesammelt. Diese überträgt er nun auf den ganzen Verein. Das ist mit Geld nicht zu bezahlen und wird Klopp auf lange Zeit einen Ehrenplatz in der Region bringen.

Dortmund war für Klopp ein Glücksfall. Und Jürgen Klopp war ein Glücksfall für die Borussia. Trainer gibt es wie Sand am Meer, aber Persönlichkeiten wie Klopp nur ganz selten.

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