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Fußball bedeutet mehr als nur 22 Spieler die einem Ball nachlaufen

Der Nervenakt Strafstoss

Posted on | Januar 16, 2011 | 1 Comment

brehme

Sind perfekte Elfmeter trainierbar? (Quelle: Youtube.de)

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Die Kaltschnäuzigkeit der Deutschen beim Elfmeter ist weltweit bekannt, doch wie sieht es in der Liga des dreimaligen Weltmeisters aus?

Allein beim samstäglichen Rückrundenauftakt zeigte der Schiedsrichter vier Mal auf den Punkt. Zwei Mal in Wolfsburg, einmal auf St. Pauli und einmal in Nürnberg. Alle vier Strafstöße fanden nicht den Weg ins Netz. Eine Theorie, dass die Luft in Norddeutschland nicht „elfmeterreif“ war, wird durch die Tatsache entkräftet, dass die bayrische Stadt Nürnberg auch einen verstoßenen Elfmeter zu vermelden hatte.

Wissenschaftlich gesehen trifft der Schütze in 75 – 80 % der Fälle. Im gestrigen Falle wäre es eine Ausbeute von drei Treffern gewesen. Aber bei der Statistik gibt es leider nur durchschnittliche Werte. Da kann es schon zu solchen Phänomenen kommen, dass vier Keeper ihre zu bewachenden 18 m², doch rein halten können. Auch die deutsche Entwicklung der Strafstöße ist eine interessante. Ein paar Worte, die jedem Fußballfan in Erinnerung bleiben, auch wenn er Sie nicht live miterlebt hat.

Andreas Brehme schießt Deutschland zum Titel

Der altehrwürdige Gerd Rubenbauer fand mit seinen Worten „Brehme gegen den Elfmetertöter Goycochea“ genauso Einzug in die Geschichtsbücher, wie der Schütze Andreas Brehme, der dadurch Deutschland den dritten Weltmeistertitel bescherte. Vor einigen Jahren sagte Brehme, dass man keinen Elfmeter trainieren könne, da die mentale Belastung vor 60.000, 70.000 pfeifenden Zuschauern nicht zu simulieren sei. Konzentration sei das A und O, doch wie sieht es mit Nachdenken aus?

Viele Sportkommentatoren analysieren verschossene Elfmeter gerne mit „Da hat er zu viel nachgedacht“. Dies lässt sich genauso leicht aussprechen, wie die von Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) kritisierte Aussage: „Das macht Sinn“. Zwar ist die Hauptursache der Kritik, ein falscher Anglizismus, dennoch wirft Sick den Benutzern solcher Phrasen gleichzeitig mangelnde Fachkompetenz vor. Dies soll keine Kritik an unseren herausragenden Kommentatoren darstellen, aber meiner Meinung nach lässt die objektive Abgrenzung von Konzentration und Nachdenken schwer von einem Logenplatz beurteilen.

Der Schwalben-Möller

In den 90er Jahren verlagerte sich das Nachdenken jedoch auf den Strafstoßauslöser, als ein Singvogel den Einzug in die deutsche Fußballwelt fand – Die Schwalbe. Bei jenem Wort bedient man sich gerne immer wieder dem Paradebeispiel eines damals 28-jährigen Dortmunders. 1995 – Beim Stand von 0:1 gegen Karlsruhe ließ sich Andreas Möller geistesgegenwärtig im Strafraum fallen. Ein Bein des Gegenspielers suchte man in den Fernsehbildern vergeblich. „Es war eine Schutzschwalbe. Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen würde“ empörte die ganze Fußballwelt. Bundestrainer Berti Vogts strich ihn vorübergehend aus dem Kader und der DFB belegte Möller mit einer 10.000 DM Strafe. Meines Erachtens wird heute der Begriff „Schwalbe“ eher mit Fußball verbunden als mit dem eigentlichen tierischen Namensträger.

Nachdenken ist ein vielschichtiger Begriff. Abschließend, möchte ich eine andere Form von Nachdenken beim Elfmeter präsentieren. Mentalstark den Ball in den Torgiebel zu zimmern, dass können wenige Sportsmänner, doch einen Treffer beim Elfmeter zu erzielen bei dem der Unterkiefer jedes Zuschauers kurzzeitig den Kampf mit der Schwerkraft verliert, ist einzigartig – Johan Cruyff.

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Comments

One Response to “Der Nervenakt Strafstoss”

  1. Daniel
    Januar 16th, 2011 @ 13:08

    An dieser Stelle seien auch mal die tollen Paraden der Torhüter gelobt. Kraft und Heimeroth haben ihre Elfmeter klasse pariert. Schlecht geschossen waren sie alle nicht – auch der Elfer von Lahm an den Innenpfosten nicht.

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