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Fußball bedeutet mehr als nur 22 Spieler die einem Ball nachlaufen

Die Deutsche Fussball Fankultur ist bescheiden

Posted on | April 23, 2011 | 3 Comments

Sehen wir die Deutsche Fussball Fankultur doch einmal realistisch. Es gibt einige Vereine in Deutschland, mit denen sich die Fans nicht 110 Prozent identifizieren können. Da ich heute in der BayArena beim Spiel von Leverkusen gegen Hoffenheim zu Gast war, möchte ich konkret etwas über diese beiden Fanlager sagen.

Bereits vor dem Anpfiff wurden zwei Sachen deutlich. Erstens: Die Anhänger von TSG Hoffenheim konnte man an zwei Händen abzählen. Zweitens: Das Spiel von Bayer Leverkusen ist ein großer, ruhiger Familienausflug.

Die wenigen Hoffenheim Fans haben trotzdem Stimmung gemacht, obwohl wir leider nur Kinder (realistisch geschätzt im Alter von 12 bis 14 Jahren) mit zwei Begleitern ausmachen konnten. Die Fangesänge waren zwar beliebig austauschbar, sodass man die in jedem zweiten Stadion der Republik hört, aber immerhin hat die TSG so auch ein wenig melodische Unterstützung. Sinnbild für die Fankultur eines “Retortenclubs”: Während des Spiels war der Gästeblock von Hoffenheim nur zu 25 Prozent gefüllt. Mit Geld kann man also einen Club aufbauen, aber anscheinend keine Fans, die mit Herz zum Verein stehen.

BayArena Leverkusen

BayArena Leverkusen

Apropo “zum Verein stehen”. Kommen wir zu Bayer 04 Leverkusen. Kaum eine Mannschaft in der Bundesliga hat in den letzten Jahren so konstant die Plätze 2-6 belegt. Und trotzdem sind meistens nur die Topspiele gegen Bayern München oder Borussia Dortmund ausverkauft. Heute war ein wichtiges Spiel für die Werkself, bei einer Niederlage würde es im Kampf um Platz 2 nochmal spannend werden. Eine hervorragende Saison könnte am Ende mit einem enttäuschenden Platz 4 enden. Und trotzdem waren “nur” 29.000 Zuschauer anwesend, also 1.000 freie Plätze. (Borussia Dortmund hat übrigens mehr als 50.000 Dauerkartenbesitzer).

Als dann das überraschende 0:1 für Hoffenheim fiel, war ich schockiert von der Reaktion der Bayer Fans. Anstatt die Mannschaft jetzt erst richtig anzufeuern, schallte durch die BayArena ein gellendes Pfeifkonzert. Gerade die so oft gescholltenen Spieler des “ewigen Zweiten” hätten Motivation gebraucht. Entsprechend zurückhaltend und verunsichert agierte die Werkself in der ersten Halbzeit auch. Im Endeffekt ist es gut gegangen, meiner Meinung wird das Publikum aber erst zum Mythos zwölfter Mann, wenn es eine Einheit zwischen Mannschaft und Fans gibt. Und daran kann fast jeder Verein in Deutschland noch arbeiten.

Auf dem Heimweg sprach mich ein Leverkusen Fan auf diese Situation an: “Die brauchen das. Wir müssen die aufwecken. In Dortmund reißen sich die Spieler auch immer den Arsch auf, die brauchen keine Pfiffe. Unsere Spieler schon.” So kann man es also auch sehen.

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Comments

3 Responses to “Die Deutsche Fussball Fankultur ist bescheiden”

  1. Boris
    April 23rd, 2011 @ 22:53

    Selten so eine billig-polemische Dummgrütze gelesen. Ich bin seit mehr als 20 Jahren Pille, weil ich den dummen Fehler gemacht habe, dort meine Jugend verbracht zu haben ;) Aber so einen Bullshit wie das hier können nur Leute verzapfen, die entweder überhaupt keine Ahnung vom Fansein haben oder aber nicht oft ins Stadion gehen.

    Zufällig war ich heute auch da, sogar im C-Block und ich für meinen Teil bin heiser, was diverse Leute um mich herum auch betreffen dürfte. Dass die Stimmung heute so war wie sie war, ist zu 100Prozent mit letzter Woche zu erklären. Kein Fan eines andren Vereins kann es scih vorstellen, wie es ist, wenn Träume jedes Jahr wieder nicht nur ausgeträumt, sondern mit Füßen getreten werden, vor allem von Seiten der Vereinsverantwortlichen (Grinse-Rudi allen voran).

    Und was dieses “Keine Fans”-Gelaber angeht… Ich meine, ich hab schon jeden Scheiss gehört, trozdem finde ich diese Einseitigkeit immer wieder ernüchternd. Für ne Stadt mit 160.000 Einwohnern, die nördlich Richtung Ruhrpott und südlich Richtung Effzeh abgegrast wird, issen Schnitt von 29.000 völlig ok. Wenn sich der werte Herr Blogger mal die Videos aus Berlin von 2009 anschaut, wo sich 25.000 Pillen trotz Niederlage wesentlich besser verkauft haben als Bremen, so wird er auch mal die Klappe halten.
    vor 5 Minuten · Gefällt mir
    Ajo, und noch nen Nachtrag zu den tollen “echten” Fans. Keine Ahnung, ob der tolle Blogger in seinem Leben auch mal auswärts fährt, aber wenn man in Dortmund 1-0 führt kann man (in normalen Saisons) von der ach so tollen gelben Wand nicht mal mehr ein Lüftchen hören, in Köln isses nach der Hymne auch nach spätestens 20 Minuten still, wenn die Ziegen keine Bude machen und wenn man sich mal die echte Definition von EVENTFAN ansieht, muss man nur ein Ticket für die Allianz-Arena ziehen. Da isses selbst nach nem 5-1 gegen uns still, abgsehen von den 400 Mann Schickeria, die der Verein am liebsten nicht sehen will. Aber die sind ja alle viel besser ;-) Masse ist nicht gleich Klasse, und JEDER, egal ob Hamburger, Münchner, Wolfsburger oder Leverkusener, der für seinen Verein x-hundert Kilometer durch die Republik tingelt, ist echter Fan und verdient auf seine Art Respekt. Erst recht, wenn er nicht einfach nur wie ein Lemming der Masse hinterherläuft. Aber ich bezweifle, dass der Verfasser das versteht ;-)

  2. Boris
    April 24th, 2011 @ 16:54

    Der Vollständigkeit halber auch hier nochmal mein leicht “gemäßigter” Nachtrag, war gestern doch ein wenig zu sehr auf 180 ;)

    Es war in der Tat´ne “merkwürdige” Atmosphäre gestern. Aber zunächst nochmal zu den tausend freien Plätzen: Die waren im Gästebereich ;) Waren vielleicht 500 Hoffenheimer da, und wer holt sich schon ne Tagskarte im Gästeblock?

    Aber zur eigentlichen Sache: Das Spiel ist wohl wirklich das schlechteste, um die Simmungslage in Lev zu beurteilen. Bei der Nummer in München ist irgendwie ne Menge Tischtuch zwischen Mannschaft und Fans draufgegangen, nicht wegen ner Niederlage (ist ist beim Bayer in München so sicher wie Dinner for One an Silvester), sondern wegen des “wie”. Zunächst mal ist da ein Trainer, der im Winter groß verkündet, dass „Lev seine letzte Station ist „und „Entweder Vertragsverlängerung oder Rente“ blablabla. Und drei Monate später unterschreibt er nen Vertrag beim Erzfeind. Fußball ist viel Lüge und ein dreckiges Geschäft, aber wie es in den Wald hineinruft… Fand’s auch übertrieben, ihn als Wic… zu beschimpfen, Freundschaft hat er aber keine mehr zu erwarten. Wegen mir nen feuchten Händedruck und nen Schulterklopfer, das war’s ;)

    Dann jibbet da noch den Sportsfreund Vidal, der sich bei Toren auf’s Wappen klopft und gleichzeitig verkündet, er würde ja so gerne in München spielen. Und dann kommt SO ein Spiel, dass selbst die schlimmsten Auftritte bei den Bayern toppt, und ausgerechnet Vidal legt mit einem unfassbar schwachsinnigen Hackentrick die 2-0-Führung auf. Daher auch die Pfiffe gegen ihn, als er wieder so nen schwachsinnigen Hackentrick macht. Nach so einem Tritt in die Weichteile kann man sich mit ner tollen Saison den Hintern abputzen. Ich meine, ich hab mir letzte Woche Köln-Stuttgart angesehen, da wurde auch in der HZ gepfiffen, obwohl der FC sieben (!) Spiele zuhause in Folge gewonnen und die Klasse so gut wie gesichert hat. Solche Pfiffe kommen meistens von den Tribünen, wo in JEDEM Stadion die Leute sitzen, die einfach nur unterhalten werden wollen.

    Am Ende werden die Fans die Mannschaft doch wieder unterstützen, immerhin fahren am letzten Spieltag knapp 3000 Pillen nach Freiburg, obwohl es im Endeffekt um nichts mehr gehen wird. Genauso, wie damals 10.000 am letzten Spieltag in Gladbach waren. Wir haben eine vergleichsweise kleine Fanszene, aber im Vergleich mit anderen „Plastikclubs“ wie Wolfsburg können wir zumindest _etwas_ besser dastehen.

    Aber wie gesagt, Masse ist absolut nicht gleich Klasse. Ich war schon 8 mal in Dortmund und nur einmal davon hat mich deren Stimmung überzeugt. In München z.B. noch nie, weder im Olympistadion noch in der Allianz-Arena (hab sowohl Lev als auch ein paar neutrale Spiele da gesehen). Und DIE haben nun wirklich jedes Jahr Grund zum Feiern, im Gegensatz zu uns. Wirklich toll fand ich in der Bundesliga bislang nur den Heimsupport in Frankfurt und in St. Pauli. Aber ist wurscht, sieht eh jeder anders, und wir Pillendreher (ich liebe dieses Wort ^^) sind eh ne Gattung für sich ;)

  3. Daniel
    Mai 9th, 2011 @ 11:45

    Dazu noch einmal folgender Artikel aus dem KSTA:

    http://s1.directupload.net/images/110509/wwyxvb5l.jpg

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