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Das rheinische Derby – mehr als nur ein Fußballspiel

Posted on | April 28, 2011 | 3 Comments

Das rheinsiche Derby – mehr als nur ein Fußballspiel

In Langenfeld leben viele Bayer- und FC-Fans auf engstem Raum zusammen. So auch die Stadion11-Redakteure Mathias Günther (links) und Daniel Uebber (rechts).

In Langenfeld leben viele Bayer- und FC-Fans auf engstem Raum. So auch die Stadion11-Redakteure Mathias Günther (links) und Daniel Uebber (rechts).

Am Samstag steigt im Rheinenergie-Stadion in Müngersdorf das 69. rheinische Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen. Mehr als der Vater Rhein teilt das Aufeinandertreffen die Fußballfans der Region in zwei Seiten: Auch die Stadion11-Redaktion bleibt davon nicht verschont. Die Redakteure Mathias Günther (Bayer 04-Fan) und Daniel Uebber (Fan des 1.FC Köln) beschreiben heute ihre ganz persönlichen Derby-Perspektiven.

Den Anfang macht Mathias Günther (22, aus Langenfeld):

Alle halbe Jahre wieder kommt das Derby. Für mich sind die Begegnungen gegen den rheinischen Rivalen aus der Domstadt die wichtigsten und spannendsten Spiele der Saison. Die Emotionen und Reaktionen vor und nach dem Spiel geben dem Derby die nötige Würze. Beruflich bin ich im Bayer-Werk aktiv, das auch aufgrund der geografischen Lage besonders ist. Den Kölner und Leverkusener Werksteil trennen nur die Bayer-Konzernzentrale und der darum liegende Carl-Duisberg Park. Ich behaupte, dass die Aufteilung der Bayer- und FC-Fans dort auch bei 50/50 liegt. Durch diese Aufteilung kommt es tagtäglich zu Reibepunkten mit den kölschen Anhängern.

Sportlich gesehen kann uns zwar der FC nicht das Wasser reichen, dennoch versuchen die Kölner ihre aktuelle sportliche Unterlegenheit mit anderen Faktoren zu überspielen. Von größeren Stadien, Fan-Zahlen, Auswärtsbegleitern und längerer Tradition sei die Rede. Bei einem Verein dessen Stadt mehr als sechs Mal so viele Einwohner hat, sollte man auch eine größere Resonanz erwarten können. Zwar gibt es Kölner Stimmen, die sagen, dass es nur ein wahres Derby gibt, nämlich das gegen Borussia Mönchengladbach, aber für mich definiert sich der Begriff “Derby” an der örtlichen Nähe wie einer gemeinsamen Stadtgrenze – und keine Aufeinandertreffen in den 70er Jahren.

Zum Thema Tradition wurde schon so oft debattiert, dass ich nur noch auf die Gründungsjahre von 1904 (Bayer) und 1948 (1.FC Köln) verweise und Zahlen für mich sprechen lassen will. Um der erhöhten Publikation eines anderen Wortes vorzubeugen, das dieses Jahr wieder zutreffen könnte, hat sich Bayer 04 schon frühzeitig abgesichert. Wer wissen möchte, welches Wort es ist, kann doch mal beim Online-Auftritt des Deutschen Patent- und Markenamts die Registernummer 302010011572 eingeben.

Der Verein hat sich in den letzten Jahren zu einem höchstmodernen attraktiven Standort für schönen Fußball entwickelt. Schöner Fußball, genau das ist was der Leverkusener Fußball vom Kölner unterscheidet. Die momentane sportliche Ausgangslage von Leverkusen ist vor dem Derby in Köln ist optimal. Man könnte mit einem Sieg den Champions League Einzug perfekt machen und gleichzeitig die Abstiegsängste der Kölner verstärken. Außerdem spricht die Statistik für Bayer 04, denn seit Mai 1997 hat man nicht mehr gegen den FC verloren. Zwar hat Michael Ballack, die Stimmung durch einen 8000 € teuren Ruf noch angeheizt, aber nichtsdestotrotz werde ich nach unserem Sieg wieder ein halbes Jahr Ruhe vor rheinischen Nachbarn haben.

Daniel Uebber (26, auch aus Langenfeld) sieht das Ganze naturgemäß etwas anders:

Meine persönliche Derby-Geschichte geht bis in die Zeit der Grundschule zurück. Als einziger FC-Fan in einer von Bayer-04-Fans geprägten Klasse voller sechsjähriger fußballverrückter Jungs und Mädels musste ich schon früh erfahren, was es heißt, in der Minderheit zu sein. „Cologne, Cologne – Die Sch… vom Dom“ gehörten schon in den frühen 1990er Jahren zu den musikalischen Standardstücken auf dem Pausenhof – neben „Alle meine Entchen“ und „Veronika, der Lenz ist da“. Auch in diesem Frühling steigt wieder das Derby – und dieses insgesamt 69. Aufeinandertreffen der rheinischen Rivalen ist wohl eines der Wichtigsten – für beide Fan-Lager.

Warum das so ist? Auf der einen Seite kann sich die Elf vom scheidenden Trainer Jupp Heynckes mit einem Sieg noch die rechnerische Chance auf den Meistertitel offen halten. Auf der anderen Seite benötigt der “Eff-Zeh” nach den zuletzt nicht einmal bezirksligareifen Leistungen jeden einzelnen Punkt im Abstiegskampf. Kurz vor dem so wichtigen Spiel hat nun auch noch Trainer Frank Schaefer seinen sofortigen Rücktritt verkündet. Viele Fans beteiligen sich an Verschwörungstheorien und stärken die Gerüchte, Schaefer sei aus seinem Amt gemobbt worden. Ich teile diese Meinung nicht, schließlich hatte Schaefer seit Dezember einen unterschriftsreifen Zwei-Jahresvertrag als Cheftrainer vor sich liegen. Außerdem hat er bei seiner Rücktritts-PK das Thema “Mobbing” noch einmal als wilde Spekulation des Express betitelt und sich für die Zusammenarbeit mit der FC-Führungsetage gedankt. Was sollen die Herren Overath, Glowacz und Horstmann also tun? Schaefer am Geißbock festketten? Wenn er dem Druck nicht gewachsen ist, dann ist es meiner Meinung nach auch besser, wenn er über kurz oder lang den Verein verlässt.

Doch nicht nur dies sowie die aktuelle Tabellenkonstellation macht gerade dieses Derby für mich zu einem solch Besonderen. Die Spiele gegen Leverkusen haben für mich einen extrem hohen Stellenwert, denn meine Außenseiterrolle als FC-Fan in einer von Werkself-Fans dominierten Gegend endete nicht mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule. Denn wie sollte es anders sein: Diese Schule war ausgerechnet in Leverkusen. Gut dass ich dann später in Köln studieren konnte und ein paar Jahre Ruhe vor täglichen Provokationen und Anfeindungen hatte.

Auch meine besten Freunde sind nahezu alle Dauerkartenbesitzer in der BayArena. Selbst bei ihnen habe ich manchmal das Gefühl, der Inhalt des Fan-Seins eines Leverkusen-Anhängers definiert sich nur über seine Abneigung zum 1. FC Köln. Ein Sieg wird in Leverkusen nicht mit Jubelgesängen gefeiert, sondern mit den oben beschriebenen Schmährufen. Auch die jüngsten Entgleisungen eines gewissen Michael B. aus Chemnitz beweisen, dass man es nicht durch gute Leistungen in das Herz eines Bayer-Fans schafft, sondern indem man seine Abneigung gegen den großen Rivalen von der anderen Rheinseite öffentlich kundtut.

Dabei hätte es der Verein der selbstgenannten Pillendreher doch gar nicht nötig: Jahr für Jahr bietet man den Fans tollen Fußball und das internationale Geschäft ist am Ende der Saison meist so sicher wie die schmerzstillende Wirkung von Aspirin. Der einst so ruhmreiche erste Fußball-Club Köln ist zum 1. Fahrstuhl-Club Deutschlands verkommen. Trotzdem ist die Hütte in Müngersdorf immer voll: Weil die Geißbock-Fans masochistisch sind?  Weil sie das Event im Rhein-Energie-Stadion, inklusive Hymne, Kölsch und Choreo so toll finden? Oder weil Erstliga-Spiele bei anhaltender Nicht-Leistung bald Mangelware sind? Man weiß es nicht. Udo Lattek sagte einst: „Die Stimmung im Kölner Stadion ist immer super. Das einzige was stört, ist die Mannschaft“. Recht hat er, auch wenn man dieses Jahr sieben Heimsiege in Serie sammeln konnte. Ein FC-Fan ist mehr als der Anhänger eines Vereins. Als FC-Fan ist man auf eine Art mit Stadt, kölscher Lebensart und anderen Fans verbunden, wie es deutschlandweit wohl kaum ein weiteres Mal existiert. Erst recht nicht in Leverkusen.

Meine persönliche Derby-Geschichte geht bis in die Zeit der Grundschule zurück. Als einziger FC-Fan in einer von Bayer-04-Fans geprägten Klasse voller sechsjähriger fußballverrückter Jungs und Mädels musste ich schon früh erfahren, was es heißt, in der Minderheit zu sein. „Cologne, Cologne – Die Sch… vom Dom“ gehörten schon in den frühen 1990er Jahren zu den musikalischen Standardstücken auf dem Pausenhof – neben „Alle meine Entchen“ und „Veronika, der Lenz ist da“. Auch in diesem Frühling steigt wieder das Derby – und dieses insgesamt 69. Aufeinandertreffen der rheinischen Rivalen ist wohl eines der Wichtigsten – für beide Fan-Lager. Warum das so ist? Auf der einen Seite kann sich die Elf vom scheidenden Trainer Jupp Heynckes mit einem Sieg noch die rechnerische Chance auf den Meistertitel offen halten. Auf der anderen Seite benötigt der „Eff-Zeh“ nach den zuletzt nicht einmal bezirksligareifen Leistungen jeden einzelnen Punkt im Abstiegskampf. Doch nicht nur die aktuelle Tabellenkonstellation macht gerade dieses Derby für mich zu einem solch Besonderen. Die Spiele gegen Leverkusen haben für mich einen extrem hohen Stellenwert, denn meine Außenseiterrolle als FC-Fan in einer von Werkself-Fans dominierten Gegend endete nicht mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule. Denn wie sollte es anders sein: Diese Schule war ausgerechnet in Leverkusen. Gut dass ich dann später in Köln studieren konnte und ein paar Jahre Ruhe vor täglichen Provokationen und Anfeindungen hatte. Auch meine besten Freunde sind nahezu alle Dauerkartenbesitzer in der BayArena. Selbst bei ihnen habe ich manchmal das Gefühl, der Inhalt des Fan-Seins eines Leverkusen-Anhängers definiert sich nur über seine Abneigung zum 1. FC Köln. Ein Sieg wird in Leverkusen nicht mit Jubelgesängen gefeiert, sondern mit den oben beschriebenen Schmährufen. Auch die jüngsten Entgleisungen eines gewissen Michael B. aus Chemnitz beweisen, dass man es nicht durch gute Leistungen in das Herz eines Bayer-Fans schafft, sondern indem man seine Abneigung gegen den großen Rivalen von der anderen Rheinseite öffentlich kundtut. Dabei hätte es der Verein der selbstgenannten Pillendreher doch gar nicht nötig: Jahr für Jahr bietet man den Fans tollen Fußball und das internationale Geschäft ist am Ende der Saison meist so sicher wie die schmerzstillende Wirkung von Aspirin. Der einst so ruhmreiche erste Fußball-Club Köln ist zum 1. Fahrstuhl-Club Deutschlands verkommen. Trotzdem ist die Hütte in Müngersdorf immer voll: Weil die Geißbock-Fans masochistisch sind? Weil sie das Event im Rhein-Energie-Stadion, inklusive Hymne, Kölsch und Choreo so toll finden? Oder weil Erstliga-Spiele bei anhaltender Nicht-Leistung bald Mangelware sind? Man weiß es nicht. Udo Lattek sagte einst: „Die Stimmung im Kölner Stadion ist immer super. Das einzige was stört, ist die Mannschaft“. Recht hat er, auch wenn man dieses Jahr sieben Heimsiege in Serie sammeln konnte. Ein FC-Fan ist mehr als der Anhänger eines Vereins. Als FC-Fan ist man auf eine Art mit Stadt, kölscher Lebensart und anderen Fans verbunden, wie es deutschlandweit wohl kaum ein weiteres Mal existiert. Erst recht in Leverkusen.

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Comments

3 Responses to “Das rheinische Derby – mehr als nur ein Fußballspiel”

  1. Daniel
    April 28th, 2011 @ 10:18

    PS: Nein, der Mann links auf dem Bild ist NICHT Thomas Brdaric;)

  2. Alex
    April 28th, 2011 @ 11:36

    Sehr schöne Kommentare von euch beiden!

    Als neutraler Fussballfan kann ich nur sagen. Für die erste Bundesliga wäre ein Abstieg von Köln ein Verlust und Leverkusen würde die Teilnahme an der Championsleague notfalls auch über die Qualifikation schaffen. Demnach kann Köln ruhig gewinnen.

    Obwohl eine zweite Liga mit Düsseldorf, Köln und Gladbach durchaus etwas spannendes hätte.

  3. Daniel
    Mai 1st, 2011 @ 09:54

    so fühlt es sich also an, gg lev zu gewinnen;) kannte das gefühl ja bisher gar nicht

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